Neuigkeiten

Das Wissen in der Medizin verdoppelt sich alle fünf Jahre...

Leider braucht es bis zu zehn Jahre, bis es in Standardtherapien und -leitlinien beim Patienten ankommt und routinemässig umgesetzt wird. Aktuelles Wissen ist deshalb für Ihre Gesundheit essentiell.

Auf den folgenden Seiten finden Sie aktuelle Neuigkeiten aus Medizinforschung, -therapie und -wissenschaft, die von uns aus aktuellen Veröffentlichungen und Studien für Sie recherchiert werden. Wir stehen Ihnen natürlich gerne für Fragen und Anregungen zur Verfügung:   frage@praxis-kleemann.de

Kleine Knötchen - hohes Risiko

    Kleine, helle Knötchen im Augenbereich gelten allgemein als kosmetisches Problem. Was jedoch viele nicht wissen: diese “Xanthelasmen” weisen auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hin. In einer dänischen Bevölkerungsstudie (British Medical Journal, http://www.bmj.com/content/343/bmj.d5497), in der über 12 000 Menschen 22 Jahre beobachtet wurden, konnte gezeigt werden, dass das Risiko für Herzinfarkte um 48%, das Vorhandensein einer KHK (Erkrankung der Herzkranzgefäße) um 39% und die Sterblichkeit sogar um 14% gegenüber der Normalbevölkerung erhöht ist. Die so genannten “Xanthelasmen” sind ein Hinweis auf eine Fettstoffwechselstörung (Hyperlipidämie) und sollten Anlaß für eine Diagnostik und ggfs. präventive Therapie sein.

Schmerzpatienten unterversorgt

    Von rund 12 Millionen Deutschen mit chronischen Schmerzen werden fast 40% überhaupt nicht therapiert. Ein Großteil ist unter- oder fehlversorgt bzw. wird falsch behandelt, weil die Fachkenntnis für das komplexe Krankheitsbild “Chronischer Schmerz” fehlt. Auch die Wartezeiten für Schmerzpatienten auf den Beginn einer entsprechenden Fachbehandlung mit durchschnittlich 1-6 Monaten ist deutlich zu lang und nicht akzeptabel; so die Ergebnisse einer aktuellen Forsa-Umfrage unter 1822 Schmerzpatienten.

Training bei KHK ist Stents überlegen

    Regelmässiges körperliches Training zeigt sich auch bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK) der Anwendung von invasiven Maßnahmen (Herzkatheter) überlegen. In der PET-Studie (PTCA & Exercise Training) erhielten 101 Patienten mit stabiler KHK neben der üblichen medikamentösen Standardtherapie eine Herzkatheteruntersuchung mit Revaskularisation (Stent) oder die Patienten betrieben täglich 20min Sport (bei nur 70% der Maximalbelastung). Nach einem Jahr war die Rate an Herzinfarkten -wie auch Schlaganfällen, erneuten Herzkathetern oder Klinikeinweisungen- in der Sportgruppe deutlich niedriger als in der Gruppe, die einen Stent erhalten hatten (12% zu 30%). Selbst nach fünf Jahren war dieser Vorteil noch nachweisbar. Auch Herzpatienten muß deshalb geraten werden -unter ärztlicher Aufsicht/Anleitung- regelmäßig Sport zu treiben.

Neues vom Antiarrhythmikum Dronedaron (Multaq)

    Einst von uns Kardiologen als Nachfolger des verbreiteten Amiodarone (Cordarex) heiß herbeigesehnt, da es -den Ankündigungen zufolge- keine Cordarextypischen Nebenwirkungen habe. Leider haben sich alle Erwartungen nicht erfüllt. Schon vorab hatte das Arzneimittel-Telegramm (Berlin) vor Markteinführung vor drastischen Nebenwirkungen gewarnt. Mittlerweile haben sich die Befürchtungen bestätigt. Nachdem amerikanische Kollegen schon länger Nutzen und Anwendung infrage stellen (“I think, the drug is dangerous”), hat nun endlich auch die Europäische Arnzeimittelbehörde (EMA) eine Neubewertung abgeschlossen: aufgrund Leberschädlichkeit und der Zunahme kardiovaskulärer Komplikationen und Mortalität unter Einnahme des Medikamentes (PALLAS-Studie), soll nun die Indikation drastisch eingeschränkt werden. Zudem bestehen nun Hinweise auf Lungentoxizität. In der amerikanischen Produktinformation (Beipackzettel) wurden deshalb Warnhinweise auf interstitielle Lungenerkrankung wie Pneumonitis und Lungenfibrose aufgenommen.

multaq

Neue Studie zur Vorhersagbarkeit eines tödlichen Herzinfarktes

    Amerikanische Kardiologen veröffentlichen heute (28.9.11) eine neue Studie zur Vorhersagbarkeit eines erneuten tödlichen Herzinfarktes durch einfache  EKG-Auswertung. In der Studie werden hierfür drei Zeichen im Langzeit-24h- EKG benannt, deren korrekte Auswertung die Prognose eines tödlichen Infarktes um 50% erhöhen.

Kein Effekt von Sägepalmen-Extrakt bei Prostatavergrößerung (BPH)

    Über die Wirksamkeit von Sägepalmenextrakt bei der gutartigen Prostatavergrößerung (BPH) herrscht seit langem Uneinigkeit. Eine aktuelle US-Studie, die im “The Journal of the American Medical Association (JAMA)” veröffentlicht wurde, zeigt nun keinen Unterschied gegenüber der Einnahme von Placebo. In der 72-wöchigen Studienphase zeigte sich sogar in der Placebogruppe ein besseres Abschneiden, als in der Medikamentengruppe (in Standarddosierung); wenn auch statistisch nicht signifikant.

Verbesserung des HbA1c (Blutzuckergedächtnis) ohne Steigerung des Unterzucker-Risikos (Hypoglykämie)

    Schon 1999 wurde in den USA die Zulassung für Geräte zur Langzeit-Blut- zucker-messung erteilt. Was bei Blutdruck und EKG selbstverständlich und alltäglich ist, hat in der Diabetestherapie in Deutschland bislang keinen Einzug gehalten. Obwohl Studien zeigen, dass durch Langzeit-Blutzuckermessungen die Einstellung des Diabetes erheblich verbessert werden kann, ohne das Hypoglykämierisiko zu erhöhen, wird diese Leistung in Deutschland nicht von den gesetzlichen Kassen übernommen. Natürlich bieten wir Ihnen dieses Verfahren im Rahmen der Prävention und Optimierung des Diabetes an. Fragen Sie uns.

Erneute Studie zur Diabetesprävention durch körperliche Bewegung

    In einer australischen Studie wurde nun wieder bestätigt, was wir im Grunde alle schon wissen: regelmäßige körperliche Bewegung und moderate Gewichtsreduktion (BMI, Taillen-Umfang) führen zu einer nachweisbaren Senkung des Auftretens von Diabetes.
    Die Studie beobachtete knapp 600 Patienten über 5 Jahre (AUSDIAB-Study) und kam zu folgendem einfachen Schluß: je mehr Schritte die Probanten pro Tag zurücklegten, desto geringer war das Gewicht und desto geringer die Diabetesprävalenz. Damit bestätigt sich die Empfehlung täglich 10 000 Schritte zu tun bzw. die aktuelle Schrittzahl um täglich 3000 Schritte zu erhöhen. Pro 1000 Schritte/Tag konnte der BMI (BodyMassIndex) um 0,08 kg/m² gesenkt werden. Also dann mal losgelaufen !  Schrittzähler erhalten Sie bei unserem Praxisteam.

Präventionsmöglichkeiten bei Brustkrebs-Hochrisikopatienten

    Frauen (wie auch Männer !) mit der genetischen Brustkrebs-Hochrisiko- Kombination (Gene BRCA1-3) benötigen ein intensiviertes Screening bzw. Früherkennungsprogramm. Bei Trägern der entsprechenden Risikogene beträgt das Risiko an Brustkrebs zu erkranken nämlich bis zu 80% !  Auch das Risiko für Eierstockkrebs (Ovarial-CA) liegt hier bei bis zu 40%. Neben der regelmäßigen Tastuntersuchung der eigenen Brust, wird die regelmäßige Brustsonographie (alle 6 Monate) sowie die jährliche Durchführung von MRT (Kernspinuntersuchung) bzw. Mammographie empfohlen. Präventive Ansätze (OP, präventive medikamentöse Therapie) können Studien zufolge das Risiko für Eierstock- und Brustkrebs dann zusätzlich um bis zu 96% senken. Lassen Sie sich informieren ! Wir vermitteln Ihnen gerne Kontakte zu entsprechenden Fachzentren.

Leberschäden unter UMCKALOABO

    Alle Jahre wieder....Erkältungszeit. Und wieder gibt es Berichte über Leberschädigung durch UMCKALOABO. Obwohl ein Wirksamkeitsnachweis des Pelargoniumwurzelextraktes nach wie vor aussteht (die Europäische  Arzneimittelbehörde EMA sieht die Wirksamkeit als nicht belegt), findet der Extrakt breite Anwendung. Allerdings häufen sich die Meldungen über ernsthafte Leberschädigungen. Bei zweifelhaftem Therapieprinzip aber deutlichen Hinweisen für Lebertoxizität raten wir deshalb von der Einnahme dringend ab.

Blutdrucksenkung schenkt Lebenszeit

    Wie die Autoren der bereits 1991 publizierten SHEP-Studie nun in JAMA bekannt geben, hat sich in einer 16jährigen Nachbeobachtungsphase bestätigt, dass eine sinnvolle Blutdrucksenkung tatsächlich Lebensqualität und Lebenzeit verlängert. Pro Monat erfolgter Blutdrucksenkung ließ sich ein zusätzlicher Tag an Lebenszeit ohne Herzinfarkt oder Schlaganfall gewinnen. Pro Jahr also 12 Tage, nach zehn Jahren damit vier Monate geschenkte, gesunde Lebenszeit. Ein guter Grund den Blutdruck im Auge zu behalten und eine Langzeitkontrolle durchführen zu lassen. Sprechen Sie uns darauf an !

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